Welche Risiken haben Implantate? Wann sollten man auf Implantate verzichten?
Behandlung der Periimplantitis
Eine Periimplantitis ist behandelbar – entscheidend ist, wie früh sie erkannt wird. Verlorenen Knochen wieder aufzubauen ist deutlich aufwendiger und unsicherer, als seinen Abbau rechtzeitig zu stoppen.
Die Behandlung am Implantat ist schwieriger als am eigenen Zahn. Moderne Implantate haben eine gezielt aufgeraute Oberfläche, die das Einheilen fördert (Osseointegration). Genau dort setzen sich Bakterien jedoch fest und sind nur schwer wieder zu entfernen. Jede Therapie dreht sich deshalb um eine Frage: Wie wird die Oberfläche wieder sauber, ohne das Implantat zu schädigen?
Wie eine Periimplantitis entsteht und festgestellt wird, lesen Sie unter Ursachen und Risiken sowie Diagnose der Periimplantitis.
Therapieziele – und warum Frühdiagnose entscheidet
Das übergeordnete Ziel jeder Periimplantitis-Behandlung ist es, die entzündungsauslösenden Bakterien von der Implantatoberfläche zu entfernen (Dekontamination) und die entzündete Zahnfleischtasche zurückzuführen – angestrebt wird eine Sondierungstiefe von etwa 5 mm oder weniger ohne Blutung. Erst wenn die Entzündung zum Stillstand gekommen ist, lässt sich überhaupt an einen Wiederaufbau des verlorenen Knochens denken.
Der zeitliche Faktor ist dabei der wichtigste Hebel, den Sie selbst beeinflussen können: Verlorenen Knochen wieder aufzubauen ist deutlich aufwendiger und unsicherer, als seinen Verlust frühzeitig zu stoppen. Wird die Erkrankung im Anfangsstadium erkannt, reichen oft schonende Maßnahmen. Bei weit fortgeschrittenem Knochenabbau wird die Behandlung komplexer – und das Ergebnis weniger vorhersehbar.
Die Behandlung stützt sich – je nach Ursache und Ausmaß – auf mehrere Pfeiler:
- Entfernung der Bakterien von der Implantatoberfläche (Reinigung, Desinfektion, ggf. Antibiotika)
- Beseitigung der Ursachen und Risiken (Schmutznischen und Rauigkeiten glätten, Belastung und Zahnersatz anpassen, Implantatpflege optimieren)
- Wiederaufbau des Knochens (rekonstruktive Verfahren)
- In aussichtslosen Fällen bleibt die Implantatentfernung (Explantation).
Zwei Behandlungswege – nicht-chirurgisch und chirurgisch
In der Periimplantitis-Therapie unterscheidet man grundsätzlich zwei Zugangswege. Welcher infrage kommt, hängt vor allem davon ab, wie tief die entzündeten Taschen reichen und wie weit der Knochenabbau fortgeschritten ist.
Nicht-chirurgische Therapie
Beim nicht-chirurgischen Vorgehen wird die Implantatoberfläche gereinigt, ohne das Zahnfleisch operativ abzulösen – ähnlich der professionellen Reinigung bei einer Parodontitis. Eingesetzt werden spezielle Handinstrumente, Bürstchen und Kelche sowie Pulverstrahlgeräte (Airflow).
Ehrlich eingeordnet: Bei einer bereits etablierten Periimplantitis mit Knochenabbau ist die alleinige nicht-chirurgische Behandlung in ihrer Wirkung begrenzt. Sie kann die Entzündung dämpfen und ist bei beginnenden Formen sowie zur Vorbehandlung sinnvoll, erreicht aber tiefe Defekte oft nicht zuverlässig. Bei fortgeschrittenem Verlauf ist daher in vielen Fällen ein chirurgischer Zugang notwendig, um an die betroffenen Bereiche heranzukommen.
Chirurgische Therapie
Beim chirurgischen Vorgehen wird das Zahnfleisch im betroffenen Bereich aufgeklappt, um die Implantatoberfläche und den Knochendefekt direkt einsehen und bearbeiten zu können. Das entzündete Gewebe wird entfernt, die Oberfläche gereinigt und desinfiziert. Dieser direkte Zugang ist bei tiefen Taschen und ausgeprägtem Knochenverlust derzeit das wirksamste Vorgehen, um die Entzündung zum Stillstand zu bringen. Ein möglicher Nebeneffekt ist ein Zurückweichen des Zahnfleischrandes (Rezession) nach dem Eingriff.
Die einzelnen Arbeitsschritte – Reinigung, Glättung, Desinfektion – werden im Folgenden erläutert.
Reinigung der Implantatoberfläche
Ist es zu einer bakteriellen Besiedlung gekommen, ist deren Entfernung das unstrittige Ziel der antiinfektiösen Therapie. Der erste Schritt ist immer eine gründliche Oberflächenreinigung. Dafür stehen mehrere Techniken zur Verfügung.
Handinstrumente
Spezielle Küretten für Implantate (ähnlich denen zur Zahnsteinentfernung) sowie rotierende Bürsten können zur Reinigung verwendet werden. Sie sind leicht einsetzbar und für den Patienten kaum belastend. Allerdings erreichen weder Handinstrumente noch Bürsten oder Kelche die Mikrovertiefungen der Implantatoberfläche zuverlässig – eine vollständige Reinigung gelingt damit allein nicht.
Airflow / Pulverstrahlreinigung
Das Abstrahlen mit geeigneten Salzen ist eine sehr effektive Routineleistung in der Zahnarztpraxis. Analog lassen sich auch kontaminierte Implantatoberflächen reinigen. Da die Periimplantitis aber häufig tief unter dem Zahnfleisch liegende Defekte verursacht, war die Pulverstrahlreinigung lange nur nach Aufklappung des Zahnfleisches gut steuerbar. Inzwischen gibt es Airflow-Geräte mit speziellen Aufsätzen, die auch unterhalb des Zahnfleischs in tiefen Taschen arbeiten, ohne dass das Gewebe abgelöst werden muss.
Mögliche Nachteile: Luft- und Salzeinpressungen ins Weichgewebe (reversibel) sowie eine theoretisch denkbare Verschleppung der Entzündung in die Tiefe – eine begleitende Antibiotikaprophylaxe ist im Einzelfall abzuwägen.
Abtrag und Glättung der Oberfläche (Implantoplastik)
Eine weitergehende Idee verbindet die Reinigung mit einer Glättung: Die befallene Oberfläche wird mit einem rotierenden Diamant-Instrument so lange beschliffen, bis die mikro-rauen Anteile geglättet sind. Das soll gleichzeitig die Bakterien bekämpfen, eine erneute Besiedlung erschweren und die spätere Pflege erleichtern.
Die Grenzen dieses Verfahrens sind allerdings deutlich: Eine ideale Glättung lässt sich nicht erreichen, in Knochennähe ist eine Verletzung nicht ausgeschlossen, und das Beschleifen schwächt das Implantat. Zudem können sich Titanpartikel ins umliegende Gewebe einsprengen. Die Implantoplastik ist daher kein Routineschritt, sondern auf ausgewählte Situationen begrenzt.
Elektrolytische Reinigung (GalvoSurge®)
Ein neueres Verfahren ist die elektrolytische Reinigung, bei der über eine elektrische Spannung und eine Spüllösung der bakterielle Biofilm chemisch von der Titanoberfläche gelöst wird. Der theoretische Vorteil: Auch die schwer zugänglichen Mikrovertiefungen sollen erreicht werden, ohne die Oberfläche mechanisch zu beschädigen. In klinischen Studien wurde damit nach chirurgischem Zugang und anschließendem Knochenaufbau ein Knochengewinn erzielt.
So vielversprechend der Ansatz klingt – die Evidenz ist noch nicht ausreichend, um das Verfahren als gesichert zu empfehlen. Ein dauerhafter Erfolg konnte bisher wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Ein röntgenologisch sichtbarer Knochenaufbau bedeutet also nicht automatisch eine stabile, dauerhafte Wiederanheilung.
implantate.com-Empfehlung: Die elektrolytische Reinigung ist ein interessanter Ansatz mit nachvollziehbarer Logik, aber derzeit kein etabliertes Standardverfahren. Wer es angeboten bekommt, sollte wissen, dass die Langzeitdaten noch fehlen und ein kurzfristiger Knochengewinn keinen dauerhaften Erhalt garantiert.
Desinfektion der Oberfläche
Nachdem die Implantate von Auflagerungen befreit wurden, ist die Abtötung der verbliebenen Bakterien der nächste Schritt. Die Desinfektion ist eine rein lokale Aufgabe. Zur Verfügung stehen:
- desinfizierende Mittel (Lacke, Spüllösungen, Chips)
- Laser
- photodynamische (Laser-)Therapie (PDT)
- lokale Antibiotika
Zur photodynamischen Therapie und zum Laser gilt: Sie werden als ergänzende Maßnahmen eingesetzt, ein klarer, zuverlässiger Zusatznutzen gegenüber der mechanischen Reinigung allein ist nach derzeitiger Datenlage jedoch nicht eindeutig belegt.
Antibiotikagabe
Die Verabreichung von Antibiotika hat in der Periimplantitisbehandlung nur einen geringen Stellenwert. Nach oraler Einnahme und Verteilung im Körper sind Antibiotika nicht in der Lage, die Bakterien auf der Implantatoberfläche zu erreichen und zu eliminieren. Nur im durchbluteten Knochen können sie kurzfristig wirken und bei akuten Entzündungen hilfreich sein. Auf die eigentliche Ursache – den Biofilm auf der Oberfläche – haben sie keinen Zugriff.
Ausführlich auf der Seite Antibiotika bei Parodontitis und Periimplantitis.
Wiederaufbau des Knochens
Im Idealfall sollte der durch die Entzündung verloren gegangene Knochen wieder an seine ursprüngliche Stelle zurückkehren. Tatsächlich wurde beobachtet, dass der Körper eine solche Regeneration nach erfolgreicher Reinigung und Desinfektion in gewissem Umfang von selbst erreicht. Die Voraussetzungen dafür sind aber noch nicht hinreichend geklärt – man darf eine selbständige Knochenregeneration daher nicht erwarten.
Ein gezielter Knochenaufbau mittels Knochenersatzmaterial und gegebenenfalls einer abdeckenden Membran gilt jedoch als erfolgversprechende Methode – vorausgesetzt, die Oberfläche wurde gründlich gereinigt und sicher von Bakterien befreit. Die Technik entspricht der eines Knochenaufbaus durch Anlagerung. Eine gesichert gute Prognose ist nach heutigem Kenntnisstand gerade bei schweren Fällen allerdings nicht zu erreichen.
Wenn die Therapie zu spät kommt – Explantation
Ist der Knochenverlust so weit fortgeschritten, dass die Entzündung nicht mehr beherrschbar ist, bleibt als letzte Konsequenz die Entfernung des Implantats (Explantation). Das ist kein Versagen der Behandlung, sondern manchmal die einzige Möglichkeit, das umliegende Gewebe zu schützen und eine spätere Neuversorgung vorzubereiten.
Kosten der Periimplantitisbehandlung
Ein Implantat ist kein eigener Zahn. Es wurde als Privatleistung eingebracht und bleibt auch in der privaten Verantwortung. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen daher keine Behandlungskosten periimplantärer Infektionen. Die Abrechnung erfolgt privat über die Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ).
Die folgende Übersicht zeigt die typischen Positionen je Implantat:
| Leistung | GOZ-Position | Preisspanne |
|---|---|---|
| Betäubung | 0090/0100 | 7-10€ |
| Glättung geschlossen | 4070/4075 | 13-26€ |
| Glättung offen | 4090/4100 | 24-54€ |
| OP-Zuschlag offen | 22,50€ | |
| Zuschlag Laser | 0120 | 22,50€ |
| Material Laser | 25-45€ | |
| Rekonstruktive Massnahmen: | ||
| Knochenanlagerung | 9090 | 52-79€ |
| Knochenblocktransplantat | 9100 | 350-530€ |
| Material Knochenaufbau | 70-200€ |
Was übernimmt die gesetzliche Krankenkasse bei einer Periimplantitis?
Die gesetzliche Krankenversicherung trägt die Behandlung einer Periimplantitis nicht. Sie ist ausdrücklich keine Vertragsleistung der GKV – weder als Einzelmaßnahme noch im Rahmen einer Parodontalbehandlung. Die im Juli 2021 in Kraft getretene PAR-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses regelt ausschließlich die systematische Behandlung der Parodontitis am natürlichen Zahn. Implantate sind aus dieser Versorgung explizit ausgeschlossen – im Parodontalstatus werden sie wie fehlende Zähne markiert.
Was die Kasse weiterhin trägt, beschränkt sich auf die diagnostische Grundversorgung: die zahnärztliche Untersuchung (BEMA 01) sowie medizinisch indizierte Röntgenaufnahmen. Sobald jedoch die eigentliche periimplantäre Therapie beginnt – Reinigung der Implantatoberfläche, antibakterielle Desinfektion, regenerative Maßnahmen – wechselt die Abrechnung in die Gebührenordnung für Zahnärzte. Auch eine zeitgleich am Restgebiss laufende systematische Parodontaltherapie ändert daran nichts: Sie wird als GKV-Leistung erbracht, die periimplantäre Komponente bleibt davon getrennt und privat.
Für gesetzlich Versicherte bedeutet das: Die in der Übersicht ausgewiesenen Kosten sind vollständig selbst zu tragen. Private Krankenversicherungen erstatten je nach Tarif ganz oder anteilig nach GOZ. Ein schriftlicher Heil- und Kostenplan vor Behandlungsbeginn ist Standard und sollte vor jeder periimplantären Therapie eingefordert werden.
Zur weiteren Information
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IMPLANTAT-SPEZIALISTEN IN IHRER NÄHE

Herrera D, Berglundh T, Schwarz F, et al. Prevention and treatment of peri-implant diseases – The EFP S3 level clinical practice guideline. J Clin Periodontol. 2023;50(Suppl 26):4–76. doi: 10.1111/jcpe.13823
Roccuzzo M, Mirra D, Roccuzzo A. Surgical treatment of peri-implantitis. Br Dent J. 2024;236(10):803–808. doi: 10.1038/s41415-024-7405-9
Monje A, Amerio E, Cha JK, et al. Strategies for implant surface decontamination in peri-implantitis therapy. Int J Oral Implantol. 2022;15(3):213–248. (PMID: 36082658)
Ramanauskaite A, Schwarz F, Cafferata EA, Sahrmann P. Photo/mechanical and physical implant surface decontamination approaches in conjunction with surgical peri-implantitis treatment: a systematic review. J Clin Periodontol. 2023;50(Suppl 26):317–335. doi: 10.1111/jcpe.13783
Schlee M, Rathe F, Brodbeck U, Ratka C, Weigl P, Zipprich H. Treatment of Peri-implantitis – Electrolytic Cleaning Versus Mechanical and Electrolytic Cleaning – A Randomized Controlled Clinical Trial – Six-Month Results. J Clin Med. 2019;8(11):1909. doi: 10.3390/jcm8111909
Bosshardt DD, Brodbeck UR, Rathe F, Stumpf T, Imber JC, Weigl P, Schlee M. Evidence of re-osseointegration after electrolytic cleaning and regenerative therapy of peri-implantitis in humans: a case report with four implants. Clin Oral Investig. 2022;26(4):3735–3746. doi: 10.1007/s00784-021-04345-1
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