Titanallergie und Titanunverträglichkeit

Welche Reaktionen können Implantate aus Titan im Körper auslösen?

Titan hat den Erfolg von Zahnimplantaten erst möglich gemacht. Das Material verbindet sich mit dem Knochen, ohne eine Fremdkörperreaktion auszulösen — ein Phänomen, das als → Osseointegration bekannt ist und das es in der Medizin so nur bei wenigen Materialien gibt. Negative Reaktionen auf Titan wurden deshalb lange grundsätzlich verneint.

Titanallergie: so gut wie ausgeschlossen, Titanunverträglichkeit möglich

Trotzdem berichten vereinzelt Patienten nach dem Einsetzen von Titanimplantaten über Beschwerden, die sich nicht durch Entzündungen oder andere offensichtliche Ursachen erklären lassen. Kann Titan doch eine Reaktion auslösen? Der „Titanallergie“ wird dabei missverständlich für verschiedene Reaktionen auf Titan verwendet, wobei eine echte Allergie wohl bedeutungslos ist.

Titanallergie und Titanunverträglichkeit

Die Titanoberfläche eine Implantats

Metallallergie: Nickel häufig, auf Titan praktisch nicht

Bei Metallallergien reagiert das Immunsystem auf ein Metall, das für den Körper eigentlich harmlos ist. Die häufigste Metallallergie richtet sich gegen Nickel — je nach Studie sind 10–20 % der Bevölkerung betroffen. Metallallergien gehören zum sogenannten Spättyp (Typ IV): Bestimmte weiße Blutkörperchen (T-Lymphozyten) werden durch den Kontakt mit der Metalloberfläche sensibilisiert. Die Reaktion zeigt sich erst nach Stunden oder Tagen.

Bei Titan ist das anders. Sobald Titan mit Sauerstoff in Berührung kommt — und das geschieht sofort — bildet sich auf der Oberfläche eine stabile Oxidschicht (Titanoxid, TiO₂). Diese Schicht ist biologisch nahezu inert. Sie verhindert, dass Titanionen ins Gewebe gelangen und dort T-Lymphozyten aktivieren.

Die klinische Praxis bestätigt das eindeutig. Das IMD Berlin — das größte immunologische Fachlabor Deutschlands für diese Fragestellung — berichtet 2026 auf Anfrage von implantate.com, mit dem heutigen hochsensitiven Lymphozytentransformationstest (LTT) seit Jahren keinen positiven Test auf Titan mehr gesehen zu haben. Ältere Studien, die eine Häufigkeit von 0,6 % (Sicilia et al. 2008) oder eine MELISA-Reaktivität bei symptomatischen Patienten berichteten, arbeiteten entweder mit Epikutantests (bei Titan ungeeignet, weil TiO₂ die Haut nicht durchdringt) oder mit einer früheren, nicht validierten MELISA-Methodik.

Die Titanallergie — im Sinne einer durch T-Lymphozyten vermittelten Typ-IV-Reaktion auf Titan selbst — ist nach aktuellem Kenntnisstand also klinisch irrelevant. Was Patienten als „Titanallergie“ erleben, hat andere Ursachen.

Titanunverträglichkeit: Abrieb von Titanpartikeln kann Reaktionen verursachen

Die klinisch relevante Reaktion auf Titan ist keine Allergie, sondern eine Unverträglichkeit. Jedes Titanimplantat gibt über seine gesamte Lebensdauer Partikel und Ionen an das Gewebe ab. Bei den meisten Patienten bleibt die Reaktion der körpereigene Fresszellen (Gewebsmakrophagen, Monozyten) darauf in einem harmlosen Bereich. Bei manchen Menschen ist die Entzündungsantwort jedoch deutlich stärker als normal. Diese erhöhte Entzündungsbereitschaft ist wahrscheinlich genetisch bedingt. Die Folge: eine chronische, unterschwellige Entzündung rund um das Implantat, die den Knochen angreifen und die Einheilung stören kann: die Titanunverträglichkeit.

Dass Zahnimplantate Titanpartikel an das umgebende Gewebe abgeben, ist unbestritten. Beim Eindrehen des Implantats entsteht Abrieb — Partikel im Durchmesser von etwa 1 bis 10 Mikrometern. Im Mund herrschen dazu Bedingungen, die Titanoberflächen durchaus auch angreifen. Diesen Vorgang bezeichnet die Wissenschaft als Tribokorrosion: das gleichzeitige Zusammenwirken von mechanischem Verschleiß und chemischer Korrosion.

Eine 3D-Illustration einer Zahnimplantatbehandlung zeigt, wie Implantate als Teil eines Zahnersatzes mit künstlichen Zähnen in den Unterkieferknochen eingesetzt werden.

Das Eindrehen des Implantats kann Titanabrieb verursachen

Es ist bekannt, dass derartige Titanpartikel (Durchmesser 1-10 µm) in die Umgebung von Implantaten abgegeben werden, zum Beispiel beim Eindrehen. Fresszellen wollen das Material abtransportieren. Bei entsprechender Veranlagung verursachen sie dabei eine Entzündung. Eine derartige Überempfindlichkeit ist wahrscheinlich genetisch bedingt. Solche Entzündungsreaktionen können sich im ganzen Körper bemerkbar machen. Auch eine verzögerte oder gestörte Einheilung von Titanimplantaten wäre über die entzündliche, Reaktion von Fresszellen zu erklären. Wichtig: Unverträglichkeit ist keine Allergie! Ein Allergietest auf Titan würde die viel häufigere Unverträglichkeitsreaktion nicht messen können.

Titanpartikel haben auch ein durchaus giftiges Potential. Die Einlagerung von mehr als 300 Titanpartikel in Stammzellen führt zum Absterben. Bei niedrigerer Konzentration kann es einen Effekt auf die Knochenabbauaktivität rund um Implantate haben.

Mögliche Reaktionen auf Titan im Überblick

Frage Antwort
Warum ist Titan so gut verträglich? Die Oxidschicht (TiO₂) macht die Oberfläche nahezu inert — Titanionen gelangen kaum ins Gewebe
Gibt es eine echte Titanallergie?  Nachweise in der Literatur: ja. Grösstes Labor: seit Jahren nichts nachgewiesen: irrelevant
Was ist eine Titanunverträglichkeit? Eine entzündliche Reaktion von Fresszellen (Makrophagen) auf Titanabrieb. Häufiger, bedeutsamer
Sind Titanpartikel ein Problem? Können Reaktionen auslösen, entstehen beim Eindrehen und dauerhaft durch Tribokorrosion
Woher kommt die Zahl „0,6 %“? Aus einer Studie mit Hauttests, die bei Titan als ungeeignet gelten, nicht verlässlich
Steckt vielleicht gar nicht Titan dahinter? Auch Legierungsbestandteile (Aluminium, Vanadium) oder Nickelspuren können Allergien auslösen
Welcher Test ist sinnvoll? LTT auf alle Bestandteile des Implantats (Allergie), Titan-Stimulationstest, TST  (Unverträglichkeit)
Pflastertest auf Titan? Keine Aussagekraft — Titanoxid durchdringt die Haut nicht
Ist ein Bluttest vorab zu empfehlen? Bei hypersensitiven Personen: ja. Oder man entscheidet sich im Vorfeld für Titanalternativen:
Gibt es Alternativen? Zirkondioxid-Implantate

Titanpartikel bleiben nicht lokal

In periimplantärem Gewebe wurden Titankonzentrationen von 100 bis 300 ppm nachgewiesen, häufig begleitet von sichtbaren Gewebeverfärbungen. Darüber hinaus wurden Titanpartikel und -ionen auch in regionalen Lymphknoten und im Lungengewebe gefunden. Ob diese systemische Verteilung klinische Konsequenzen hat, ist Gegenstand aktueller Forschung. Als seltene Manifestation gilt das Yellow-Nail-Syndrom — eine Nagelverfärbung in Kombination mit Atemwegs- und Lymphproblemen.

Zellschädigendes Potential nur unter Laborbedingungen

Neben der Entzündungsreaktion können Titanpartikel zwar auch ein direkt zellschädigendes Potential entwickeln, dies jedoch nur in Laboruntersuchungen mit Einlagerung von mehr als 300 Titanpartikeln in Stammzellen. Bei geringerer Konzentration wurde ein Effekt auf die Knochenumbauaktivität rund um Implantate beobachtet.

Keine verlässlichen Zahlen zu Titanreaktionen aus der Literatur

Die internationale Fachliteratur verwendet den Begriff „hypersensitivity“ (Überempfindlichkeit) als Sammelbegriff — für echte Typ-IV-Allergien, Makrophagenreaktionen auf Partikelabrieb, unspezifische Entzündungen und Reaktionen auf Legierungsbestandteile. Wenn eine Studie die „Prävalenz von Titan-Hypersensitivität“ misst, ist oft nicht erkennbar, welcher Mechanismus tatsächlich gemessen wurde.

Die vorhandenen Daten stammen zudem ausschließlich von Patienten, die bereits Symptome hatten. Bei symptomfreien Implantatträgern fand sich keine erhöhte Reaktivität. Was das für die tatsächliche Häufigkeit in der Gesamtbevölkerung bedeutet, lässt sich daraus nicht seriös ableiten.

Gar nicht das Titan? Legierungsbestandteile überprüfen!

Wenn nach einer Implantatversorgung allergische Symptome auftreten — Schleimhautbrennen, Ekzeme, auch außerhalb des Mundes — muss nicht Titan der Auslöser sein. Eine mögliche Erklärung ist eine Allergie gegen andere Metalle im Implantat.

Nicht jedes Titanimplantat besteht aus reinem Titan. Miniimplantate z.B. verwenden Titanlegierungen — am häufigsten Ti-6Al-4V (Titan Grad 5) mit 6 % Aluminium und 4 % Vanadium. Das sind keine Verunreinigungen, sondern gewollte Bestandteile für die mechanische Festigkeit. Auch reines Titan (Grad 1–4) kann herstellungsbedingt Spuren anderer Metalle enthalten, darunter Nickel — allerdings nur in Konzentrationen im ppm-Bereich. Ob solche Spuren klinisch relevant sind, ist nicht abschließend geklärt.

Entscheidend ist: Wenn ein LTT durchgeführt wird, sollten alle Bestandteile der konkreten Legierung getestet werden — nicht nur ein einzelnes Metall. Fällt der Test auf irgendeinen Bestandteil positiv aus, ist die Konsequenz dieselbe: Sicher problematisches Material sollte nicht im Körper verbleiben.

Wie viel weißt du über Zahnimplantate?

Zum Quiz
Faktor Wirkung auf die Titanoberfläche
Je rauer die Implantatoberfläche Desto mehr Abrieb/Partikelfreisetzung beim Eindrehen
Saurer pH-Wert Beschleunigt die Korrosion, löst die schützende Oxidschicht an
Bakterieller Biofilm Säureproduktion und Lipopolysaccharide schädigen die Oxidschicht
Titanlegierung (Ti-6Al-4V) Grad-5-Titan ist anfälliger für Tribokorrosion als reines Titan
Überlastungen / Mikrobewegungen
Verschleiß an der Implantat-Abutment-Verbindung

Beschwerden nach einer Implantation: wann rückt das Material in den Focus?

Wenn Sie nach dem Einsetzen eines Implantats Beschwerden entwickeln — Schmerzen, Schwellung, Brennen der Schleimhaut, unerklärte Entzündungen oder auch diffuse Symptome wie Müdigkeit und Gelenkbeschwerden — sollten Sie das ernst nehmen. Die Ursache hat in den meisten Fällen nichts mit dem Material zu tun. Aber wenn die naheliegenden Erklärungen nicht zutreffen, lohnt es sich, auch in diese Richtung zu schauen.

Mögliche Ursachen für Beschwerden nach Implantation

Ihre Beschwerden Mögliche Ursache Abklärung
Schmerzen, Wundgefühl, Schwellung, Knochenabbau, Implantlockerung Entzündung des periimplantären Gewebes (Periimplantitis), Wundheilungstörung Inspektion, Sondierung, Röntgen
Schleimhautbrennen, Rötungen, Druckgefühl, diffuse Entzündung, Müdigkeit, Gelenkbeschwerden, unklare Allgemeinbeschwerden  Titanunverträglichkeit, Allergie gegen Legierungsbestandteile LTT auf Legierungsbestandteile + Titan-Stimulationstest — beide parallel
Metallgeschmack, Brennen bei verschiedenen Metallen im Mund Galvanische Reaktion Spannungsmessung, Anamnese

Titan-Diagnostik: diese Tests schaffen Klarheit

Titan-Stimulationstest

Der klinisch wichtigste Test bei Verdacht auf eine materialbedingte Reaktion. Er überprüft, ob Monozyten und Makrophagen auf Kontakt mit Titanpartikeln mit einer erhöhten Freisetzung der Entzündungsbotenstoffe TNF-alpha und IL-1beta reagieren. Erhöhte Werte sprechen für eine überschießende Entzündungsbereitschaft gegenüber Titanpartikeln.

Lymphozytentransformationstest (LTT)

Der LTT ist ein Bluttest, bei dem isolierte Lymphozyten des Patienten im Labor mit Metallen in Kontakt gebracht werden. Reagieren die Lymphozyten mit einer messbaren Vermehrung, spricht das für eine Sensibilisierung. Der LTT kann eine Typ-IV-Allergie nachweisen. Bei Implantatpatienten sollten alle Bestandteile der konkreten Legierung getestet werden. Ein LTT auf Titan selbst ist nach Erfahrung des IMD Berlin seit Jahren durchweg negativ und klinisch nicht zielführend.

MELISA-Test

Der MELISA (Memory Lymphocyte Immunostimulation Assay) ist eine weiterentwickelte Variante des LTT. Ältere MELISA-Studien (Valentine-Thon et al. 2006, Thomas et al. 2006) berichteten über messbare Reaktivität auf Titan bei symptomatischen Patienten. Diese Ergebnisse werden durch die aktuelle LTT-Diagnostik am IMD Berlin nicht bestätigt, was möglicherweise auf methodische Weiterentwicklungen und eine höhere Spezifität der heutigen Tests zurückzuführen ist.

Epikutantest (Pflastertest): nicht indiziert bei Titan

Der Epikutantest ist das Standardverfahren für Metallallergien wie Nickel. Für Titan ist er ungeeignet: Titanoxidpartikel können die Haut nicht durchdringen und gelangen nicht zu den Immunzellen in der Tiefe. Trotzdem wird er in der Praxis immer noch eingesetzt — und die meisten publizierten Studien zur „Titanallergie“ basieren auf genau diesem Verfahren.

Welcher Test für was im Überblick

Fragestellung Test Was wird gemessen Kosten (ca.)
Titanunverträglichkeit Titan-Stimulationstest TNF-alpha/IL-1beta durch Makrophagen ca. 90 € zzgl. Blutentnahme
Echte Allergie auf Materialien LTT auf alle Bestandteile T-Lymphozyten-Reaktion 50–80 € pro Metall
„Titanallergie“ (Hauttest) Epikutantest mit TiO₂ Hautreaktion Für Titan nicht empfohlen

Was soll ich bei Beschwerden nach einer Implantation tun?

Verdacht auf Titanallergie, Titanuverträglichkeit?

Schritt 1: Zum Zahnarzt / Implantologen

Beschwerden nach einer Implantation gehören als erstes in die Hände des Implantologen. Die häufigsten Ursachen: Periimplantitis oder evtl. zu nervnahe Insertion— lassen sich durch klinische Untersuchung und Röntgenbild erkennen oder ausschließen.

Schritt 2: Klinische Ursachen gefunden?

Ja → Behandlung der festgestellten Ursache (Periimplantitis-Therapie, Okklusionskorrektur, eventuell Antibiotikum). Wenn die Beschwerden nach Behandlung abklingen: Thema erledigt.

Nein → Weiter mit Schritt 3.

Schritt 3: Verdacht auf materialbedingte Reaktion — Bluttests veranlassen

Wenn die häufigen Ursachen ausgeschlossen sind und die Beschwerden bestehen bleiben, sollten zwei Bluttests parallel durchgeführt werden:

Test 1: LTT auf alle Bestandteile der konkreten Legierung — welche Metalle getestet werden, hängt vom verwendeten Implantatsystem ab (typisch: Aluminium, Vanadium; ggf. Nickel, Chrom, Kobalt bei weiteren Metallen im Mund). Misst, ob eine echte Typ-IV-Allergie vorliegt. Kosten: ca. 50–80 € pro Metall.

Test 2: Titan-Stimulationstest — Misst die Entzündungsbereitschaft der Makrophagen (TNF-alpha, IL-1beta) auf Kontakt mit Titanpartikeln. Kosten: ca. 90 € zzgl. Blutentnahme und Versand.

Beide Tests sind Bluttests ohne Nebenwirkungen. Zusammen kosten sie etwa 150–250 € und liefern innerhalb weniger Tage Klarheit in beide Richtungen. Alle Tests sind reine Privatleistungen.

LTT positiv auf einen oder mehrere Legierungsbestandteile → Das konkrete Implantatmaterial ist für diesen Patienten ungeeignet, wenn inkorporiert: Entfernung. Cave: bei der Entfernung weitere Freisetzung insbesondere Verbleib von Titanpartikeln vermeiden!

Titan-Stimulationstest auffällig → Titanunverträglichkeit. Interdisziplinär besprechen: Hausarzt, Immunologe, Implantologe. Entzündungshemmende Maßnahmen prüfen. Bei anhaltenden Beschwerden Entfernung es Implantats. Cave: bei der Entfernung weitere Freisetzung von Titanpartikeln vermeiden!

Beide Tests unauffällig → Materialbedingte Reaktion unwahrscheinlich. Weitere Abklärung anderer Ursachen.

Schritt 5: Positive Tests – muss das Implantat jetzt raus?

Bei einer echten Allergie auf das Implantatmaterial: sollte das Implantat entfernt werden.

Bei einem auffälligen Titan-Stimulationstest steht fest: das Immunsystem reagiert auf Titanpartikel. Nicht jeder positive Test bedeutet, dass das Implantat entfernt werden muss. Wie stark sind die Beschwerden? Verschlechtern sie sich? Eine stabile Situation mit geringer Symptomatik könnte Abwarten rechtfertigen.  Zu bedenken gilt: bei der Explantation ist eine weitere Freisetzung von Titanpartikeln zu vermeiden. Das bedeutet eine große Überwurffräse (Trepanbohrer) muss das Implantat mit Knochen drum herum entfernen. Dabei entsteht ein Knochendefekt, der so groß sein kann, dass eine erneuet Implantation (Keramikimplantat) problematisch werden kann.

Therapeutische Versuche:

Bei immunologischen Reaktionen liegt der Gedanke nahe, diese Reaktion gezielt zu unterdrücken. Eine kurzfristige Kortisongabe (z. B. Prednisolon) könnte die Entzündungsreaktionen eindämmen. Allerdings ist die Kortisongabe bei Titan-Unverträglichkeit klinisch bisher nicht standardisiert und wenig spezifisch.

Reaktion auf Titan vor der Implantation testen?

Was kostet ein Test auf Titanunverträglichkeit?

Ein routinemäßiger Test vor jeder Implantation ist für die meisten Patienten nicht notwendig. Ein Titan-Stimulationstest und ein LTT auf Legierungsbestandteile können aber sinnvoll sein, wenn bekannte Metallallergien bestehen, wenn eine allgemeine Entzündungsneigung bekannt ist (chronisch-entzündliche Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen), wenn es in der Vorgeschichte unerklärte Implantatverluste gab, oder wenn der Patient ausdrücklich Klarheit wünscht.

Da die Tests keine Nebenwirkungen haben, spricht außer den Kosten nichts dagegen.

Zirkon-Implantate als Alternative

Wenn vor einer geplanten Implantation eine Titanunverträglichkeit festgestellt wird oder eine Allergie gegen Legierungsbestandteile bekannt ist, kommen Zirkondioxid-Implantate (Keramikimplantate) als Alternative in Frage. Zirkondioxid ist metallfrei, gibt deutlich weniger Partikel ab als Titan und hat eine geringere Biofilmaffinität.

Aktuelle systematische Reviews zeigen vergleichbare Überlebensraten bei kurz- bis mittelfristiger Nachbeobachtung (bis 5 Jahre). Belastbare Langzeitdaten über 10 Jahre fehlen bisher. Zirkondioxid ist spröder als Titan und weniger bruchfest unter Biegebelastung. Die Auswahl an Implantatsystemen und prothetischen Lösungen ist (noch) kleiner.

Auch herkömmlicher Zahnersatz ohne Implantate (Brücken, Prothesen) rückt als Option stärker in den Blick, wenn eine Unverträglichkeit das Risiko-Nutzen-Verhältnis einer Implantation verschlechtert.

implantate.com-Fazit:

Titan bleibt für die allermeisten Patienten ein hervorragend verträgliches Implantatmaterial. Patienten mit unerklärlichen Beschwerden nach einer Implantation sollte primär eine Unverträglichkeit durch einen  Titan-Stimulationstest und ein LTT ausgeschlossen werden. Echte Allergien auf Titan treten klinisch eigentlich nie in Erscheinung.

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Letzte Aktualisierung am Donnerstag, 06. August 2026